Die Behandlung von Schulterschmerzen - Medikamente, Operation, Stoßwelle, Akupunktur oder Axomera?

Viele Patienten stellen sich in unserer Praxis in Düsseldorf für eine Zweitmeinung mit der Frage vor: „Wie lange dauert eine Schultererkrankung?  Was würden Sie mir als beste Behandlung der Schulterschmerzen empfehlen? Welche Behandlungsalternativen gibt es - Medikamente, Operation, Stoßwelle, Akupunktur oder Axomera? Werde ich meine Schulter wieder vollständig bewegen können?“

Schulterschmerz - die wichtigsten Antworten

  • Schultererkrankungen dauern unter jeder, auch einer operativen Behandlung, länger als man glaubt. Im statistischen Mittel sind dies 1,5 Jahre. Entscheidend ist, dass die Schulterschmerzen langsam aber stetig besser werden.
  • Man sollte so lange wie möglich konservativ behandeln. Schmerzmedikamente heilen die Schulter nicht, sie nehmen nur die Schmerzspitzen. Das kann manchmal wichtig sein. Physiotherapie ist immer Teil der konservativen Therapie.
  • Die Akupunktur ist eine durch mehrere wissenschaftliche Studien gut belegte Therapie, die den Heilungsverlauf bei Schultererkrankungen beschleunigt. Aus unserer Sicht sollte sie bei Schultererkrankungen immer eingesetzt werden.
  • Die Axomera Therapie kann unterstützend zur Akupunktur eingesetzt werden.
  • Meist erreicht die Schulter nach einer langwierigen Ausheilungszeit wieder die volle Beweglichkeit. Dies gilt auch für die komplette Schultersteife. Eine Mobilisation unter Narkose ist meist kontraproduktiv.
  • Die Stoßwellenbehandlung ist bei der Kalkschulter sinnvoll.
  • Kortisoninjektionen helfen kurzfristig, meist nicht nachhaltig und verzögern insgesamt den Heilungsverlauf. Auf Grund des beeindruckenden Kurzzeiteffekts werden zu viele Kortisoninjektionen bei Schultererkrankungen gegeben.

Neue Erkenntnisse zur Akupunktur zur Behandlung bei Schulterschmerzen

Bei chronischem Schulterschmerz ist die Akupunktur mit Abstand (signifikant) besser wirksam als die heute üblichen konventionellen Behandlungsmaßnahmen wie Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, Krankengymnastik, Ultraschall, Wärme und Kältetherapie. Dies haben wir in einer Studie der Forschungsgrupppe Akupunktur für das Bundesforschungsministerium bei 424 Patienten nachgewiesen. Die Axomera Therapie setzen wir oft ergänzend zur Akupunktur ein.

Die Grafik zeigt die Ergebnisse der randomisierten, kontrollierten, verblindeten GRASP Studie (German randomized Acupuncture trial for Shoulder Pain, Molsberger A, Winkler J, Schneider T, Drabik A, PAIN 2010) direkt nach Therapieende und nach drei Monaten. Angegeben ist der prozentuale Anteil der Patienten, der eine mindestens 50 prozentige Besserung angab.

Woran erkenne ich, dass das Schultergelenk erkrankt ist?

Wegweisend sind Schmerzen im Schultergelenk. Dies können dumpfe Hintergrundschmerzen sein, die bei bestimmten Bewegungen plötzlich verstärkt werden. So kann das „Einsteigen in den Mantelärmel“ oder das Zubinden einer Schürze auf dem Rücken  - sogenannter Schürzengriff“ sehr schmerzhaft sein.

Bei plötzlichen sehr starken nächtlichen Schulterschmerzen muss man an eine akute Schleimbeutelentzündung der Schulter denken.

Neben den Schulterschmerzen fällt meist eine Einschränkung der Schultergelenkbeweglichkeit auf. So kann man sich nicht mehr über Kopf an das gegenüberliegende Ohr fassen. Die Schulterbeweglichkeit kann auch vollständig aufgehoben sein. Dann spricht man von einer Frozen Shoulder.

Schultererkrankungen in der westlichen Medizin

Wie entstehen Schulterschmerzen?

Schulterschmerzen entstehen nach Verletzungen, Prellungen der Schulter, durch ein Muskelungleichgewicht im Schultergelenk und wohl am häufigsten durch fortwährende, einseitige Bewegungsmuster (z.B. Tennis, Überkopfarbeiten beim Gardinen aufhängen, Gartenhecken schneiden) die zu Überlastungen und dann zu chronischen Entzündungen der Schulter führen. Außerdem können degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule eine Reizung der den Schulter- und Armbereich versorgenden Nervenwurzeln mit dadurch verursachten Schulter-Arm-Schmerzen bewirken. Zu erwähnen sind auch Folgebeschwerden, die auftreten, wenn die Schulter ausgerenkt war. Typischerweise ziehen sich Schultergelenkserkrankungen über Jahre hin.

Was sind die anatomischen Ursachen des Schulterschmerzes?

Am häufigsten liegt eine Entzündung der Rotatorenmanschette vor. Dies bezeichnet man auch als Periarthritis humero scapularis. Die Rotatorenmanschette wird aus den Sehnenansätzen der Muskeln gebildet, die die Schulterbewegung ermöglichen. Am häufigsten ist die Supraspinatussehne betroffen, seltener die Subscapularis oder die Infraspinatussehne. Verschiedene Schleimbeutel dämpfen die Belastungszonen der Sehnen. Fast immer kommt es bei einer Entzündung der Rotatorenmanschette auch zu einer begleitenden Entzündung der Schleimbeutel. Dies bezeichnet man als Bursitis.

Entzündung der Supraspinatussehne

Die Supraspinatussehne zieht vom oberen Muskel des Schulterblattes durch eine Enge unter dem Schulterdach hindurch bis zum sogenannten Tuberculum majus. Als Ursache der Entzündung der Supraspinatussehne – Tendinitis der Supraspinatussehne – werden meist degenerative, also verschleißbedingte, knöcherne Ausziehungen unter dem Schultereckgelenke (Acromioklavicular Gelenk) verantwortlich gemacht. Daneben soll auch ein Muskelungleichgewicht, welches den Schultergelenkskopf nach oben zieht, eine Rolle spielen. Diese mechanistischen Erklärungsmodelle sind jedoch letztlich unbewiesen. Vielmehr kann auch eine primäre, zum Beispiel durch Überlastung bedingte Entzündung, dazu führen, dass die entzündete Supraspinatussehne die ohnehin vorhandene Enge nicht mehr schmerzfrei toleriert. Die Schultermuskeln ziehen dann den Schulterkopf nach oben, um die Bewegung der Schulter einzuschränken. Der Körper stellt die Schulter ruhig, damit sie besser heilen kann. Dies ist bei Gelenken eine übliche Reaktion des Körpers. Bei einer Entzündung kann die Supraspinatussehne auch in einzelnen Fasern – Teilruptur – oder vollständig einreißen.

Kalkablagerungen in der Schulter

Durch Überlastung oder Degeneration kann es zu Kalkablagerungen in der Schulter kommen. Diese finden sich vor allem in der Supraspinatussehne. Sie haben eine Zahnpasta ähnliche Konsistenz. Kalkablagerungen können plötzlich zu stärksten auch nächtlichen Schulterschmerzen führen. In diesen Fällen ist oft eine Kortisoninjektion notwendig. Die Kalkschulter ist die einzige Indikation für eine Stoßwellenbehandlung. Heute werden Kalkablagerungen in der Schulter nur behandelt, wenn sie tatsächlich Beschwerden machen. Führt eine verkalkte Schultersehne zu einer mechanischen Behinderung, muss operiert werden.

Bizepssehnen Entzündung

Der sogenannte lange Kopf der Bizepssehne läuft durch die Rotatorenmanschette hindurch und setzt an der oberen Knorpellippe des Pfannenrandes an. Der enge örtliche Kontakt zur Rotatorenmanschette führt dazu, dass die Bizepssehne bei einer Entzündung der Rotatorenmanschette meist in Mitleidenschaft gezogen wird. Dann kommt es zu einer Bizepssehnentendinitis. Selten reißt die Bizepssehne ein oder zerreißt komplett. Meist sind hier aber noch andere Ursachen maßgeblich. Am häufigsten kommt es zu einem Riss der Bizepssehne nach Sportunfällen mit plötzlicher massiver Überlastung der Sehne. Daneben muss man immer beachten, dass Kortisoninjektionen in die Schulter auch zu einem Riss der Bizepssehne führen können.

Schulterverletzungen durch Unfälle

Häufig ist eine Ausrenkung der Schulter, die Schulterluxation, unter Umständen auch mit einer Verletzung der Rotatorenmanschette. So können die Supraspinatussehne oder Subscapularissehne einreißen - Teilruptur - oder ganz ausgerissen sein.

Weiterhin kann es zu einer Verletzung der Knorpellippe am vorderen Schulterpfannenrand kommen, der sogenannten Bankart Läsion. Auch kann sich der Schulterpfannenrand in den Schulterkopf eindrücken. Die entstehende Delle bezeichnet man als Hill Sachs Läsion. In all diesen Fällen kann eine Operation der Schulter sinnvoll sein. Hierbei ist es wichtig zu wissen, dass auch komplette Sehnen- und Bandrupturen von selbst heilen können. So werden Achillessehnenrupturen oder Außenbandrupturen heute anders als früher nicht mehr unbedingt operiert.

Schulterschmerzen durch Schultergelenksarthrose

Schultergelenksarthrosen sind seltener die Ursache von Schulterschmerzen. Hier sollte so lange wie möglich eine konservative Schmerztherapie durchgeführt werden. Die Akupunktur ist neben Medikamenten hier eine wichtige Therapiemaßnahme. Reicht diese Therapie nicht mehr aus, kann ein künstliches Schultergelenk – die Schulterendoprothese – sinnvoll sein.

Soll eine Schulterarthroskopie durchgeführt werden?

Diese Frage muss immer im Einzelfall individuell entschieden werden. Generell kann man heute sagen, dass Schultergelenksarthroskopien meist zu früh und zu häufig erfolgen. Zu früh, weil Schultergelenkserkrankungen durch den sehr langsamen Heilungsverlauf die Geduld von Patienten oft überfordern. Dann tendiert man zu einer vermeintlich radikalen Maßnahme. „Jetzt muss endlich mal die Ursache beseitigt werden“. So wird dann zum Beispiel die Schulterdachenge erweitert. Diese Operation bezeichnet man als subacromiale Dekopmression doer „^Neersche Plastik“.

Heute weiß man durch große wissenschaftliche Vergleichsuntersuchungen, dass dies nicht immer zum Erfolg führt. So sind nach 10 Jahren die Ergebnisse von operierten, konservativen mit Medikamenten und Physiotherapie behandelten und gar nicht behandelten Schultern -„wait and see“ - gleich gut. Allerdings führen Kritiker an, dass in diesen großen klinischen Studien, die Qualität und Technik jedes einzelnen Operateurs nicht bewertet werden können. Und genau darauf komme es an, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Fazit: Eine Schulter sollte erst dann arthroskopisch operiert werden, wenn die konservative Therapie auch nach vielen Monaten keinen Erfolg zeigt und die Lebensqualität erheblich eingeschränkt ist. Dann kann eine operative Therapie bei einem ausgewiesenen Experten für Schulterarthroskopie sinnvoll sein.

Bei traumatischen Schultergelenksverletzungen liegt die Sache anders. Hier muss zügig nach dem Unfallereignis entschieden werden, ob eine operative oder konservative Therapie erforderlich ist.

Schultererkrankungen aus Sicht der chinesischen Medizin

Wir haben uns seit Jahren sehr genau mit der Chinesischen Medizin und Akupuntur auch bei Schultererkrankungen beschäftigt. Nach der Chinesischen Medizin liegt Schulterschmerzen oft eine sogenannte Blutschwäche zu Grunde. Hierdurch kommt es zu einer Mangelernährung der Schulterkapsel und Muskulatur. Sprödigkeit, Entzündung und Schrumpfungen der Kapsel sind die Folge und Tätigkeiten, die früher problemlos möglich waren, führen jetzt zu anhaltenden Schmerzen.

Eine Blutschwäche zeigt sich typischerweise zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr und die Schultererkrankung ist als die Erkrankung der 50jährigen bekannt.  Der Akupunkturarzt muss sehr genau die kleinen entzündeten Areale auffinden und lokale Punkte mit allgemein das Blut stärkenden Punkten kombinieren. Die Beschwerden bessern sich bereits während meist 8 – 15 Akupunkturbehandlungen. Innerhalb von 3 Monaten nach Therapieende bessert sich die Schulter weiter (Nachheilungszeit) und fast immer erreicht man mit der Akupunktur eine dauerhafte Ausheilung des chronischen Schulterschmerzes.

Akupunktur bei Schultererkrankungen

Über die Schulter verlaufen der Dickdarmmeridian, der Dreifache Erwärmer-Meridian und der Dünndarmmeridian. Lokalpunkte dieser Meridiane sowie lokale Schmerzpunkte auch außerhalb der Meridiane werden kombiniert mit Nahpunkten im Bereich des Nackens und des Oberarmes sowie Fernpunkten an der Hand und eventuell am Unterschenkel.

Bei einer muskulären Schultersteife zum Beispiel nach einer Schulterprellung sticht der Akupunkturarzt eine Nadel am Unterschenkel und stimuliert die Nadel, so dass ein Wärme- und Druckgefühl im Unterschenkel entsteht, welches bis zum Knie ausstrahlt. Währenddessen versucht der Patient, die Schulter entspannt zu bewegen, und man bemerkt, wie plötzlich Bewegungen, die vorher durch erhebliche Schmerzen der Kapsel und der Schultermuskulatur verhindert wurden, plötzlich schmerzfrei möglich sind. Die Behandlung dauert meist nicht länger als fünf Minuten und eignet sich hervorragend, um ein seit Monaten oder Jahren versteiftes Schultergelenk wieder zu mobilisieren.

Patientenbeispiel - Akupunktur bei Schulterschmerz

Eine 53 jährige Patientin kann nicht mehr Golf spielen. Seit 1,5 Jahren schmerzt die linke Schulter,  sie kann den Arm nicht mehr heben und nachts nicht mehr auf der linken Seite Schlafen. Zuerst versuchte Sie es mit Krankengymnastik. Dann half ihr Orthopäde ihr vorübergehend mit mehreren Kortisonspritzen direkt in das Gelenk. Aber die Schmerzen traten wieder auf und die Beweglichkeit des Gelenkes nahm weiter ab. Zuletzt halfen nur noch hochdosierte Schmerzmittel und diese führten schließlich zu Magenschmerzen.

Ein Therapieversuch mit einer Stoßwellenbehandlung führte eher zur Schmerzverstärkung und mehrere Ärzte rieten ihr jetzt zur Operation. Daraufhin entschloss sich die Patientin zur Akupunktur.

Es zeigten sich auf Punkten des Dickdarm und Sanjiao Merdians druckschmerzhafte Areale. Die Patientin klagte über weiche, in letzter Zeit auch brüchige Nägel, eine trockener Haut, Nackenverspannungen, häufiger auftretende Muskelkrämpfe und ihre Zunge war eher blass – die typischen Zeichen einer Leber Blutschwäche.

Eine Behandlung mit Lokalen Punkten, spezielle Nadelstimulationstechniken mit der Hand und mit einer Elektrostimulation sowie energetische Punkte zur Stärkung des Leber Blutes brachten bereits nach 4 Sitzungen eine beginnende Besserung. Nach 12 Sitzungen war die Beweglichkeit der Schulter 70% gebessert und nachts war die Schulter schmerzfrei.

Bei der Nachuntersuchung nach 3 Monaten war die Patientin völlig beschwerdefrei. Das ist bis heute so und sie spielt mit ihrem Mann wieder 3 mal pro Woche Golf.

Erfahrungsbericht -  Akupunktur bei Schultersteife

Ein neunjähriger Junge besuchte die chirurgische Notfallambulanz der Klinik. Drei Tage zuvor war er im Schwimmbad mit der Schulter gegen die Badeleiter gestoßen. Dabei hatte er sich eine Schulterprellung zugezogen, die in den letzten zwei Tagen zu erheblichen Schmerzen in der linken Schulter führte.

Als er in die Ambulanz kam, konnte er die linke Schulter nicht bewegen. Der gesamte Muskelmantel über der Schulter war schmerzempfindlich. Die angefertigte Röntgenaufnahme zeigte keinen Anhalt für einen Knochenbruch, die Schulter war nicht ausgekugelt.

Normalerweise hätte der Junge für etwa zwei Wochen einen Schulter-Arm-Verband zur Ruhigstellung der schmerzhaften Schulter erhalten. Stattdessen führten wir eine Akupunkturbehandlung durch, bei der ausschließlich Akupunkturpunkte an den Beinen genadelt wurden. Während der Behandlung wurde der Junge aufgefordert, den linken Arm im Schultergelenk soweit wie ihm schmerzfrei möglich zu bewegen.

Die Akupunktursitzung dauerte zehn Minuten. Danach bewegte der Junge seinen Arm völlig normal – er war vollständig schmerzfrei. Der Junge ging beschwerdefrei nach Hause.

Auch eine Untersuchung nach fünf Tagen zeigte, dass eine einzige Akupunkturbehandlung ausgereicht hatte, um die Beschwerden bleibend zu heilen.

 

 

 

 

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