Operation versus konservativer Therapie

„Wie lange kann ich auf eine konservative Therapie setzen? Wann sollte ich mich operieren lassen? Welchen Erfolg kann ich von einer Operation erwarten.“

Das sind für viele Patienten drängende Fragen – deshalb hier unsere Antworten sortiert nach Krankheitsbild. Die Antworten sind auf der medizinischen Fachliteratur basierende Hinweise. Sie ersetzen für den Einzelfall keine medizinische Beratung. Diese ist bei dieser Frage immer erforderlich.  Die Liste ist kursorisch und wird ergänzt.

Bandscheibenoperation – Discotomie

Mit einer Bandscheiben OP sollte man mindestens zwei Monate abwarten, sofern der Rücken- Beinschmerz einigermaßen erträglich ist, man laufen kann und keine ausgeprägte und fortschreitende Muskelschwäche hat sowie keinen Verlust der Blasen-Mastdarmfunktion. Hintergrund: Mit einer Operation erzielt man schneller eine Schmerzlinderung. Unklar ist bis heute, ob auf Dauer ein operierter Patient Vorteile gegenüber einem nicht operierten Patienten hat. Weiterhin ist bekannt, dass sich Bandscheibenvorfälle resorbieren. Dies gilt besonders für akute, größere, wasserreiche sequestrierte Vorfälle  –  96% verkleinern sich, 43% lösen sich vollständig auf.

  1. Surgical interventions for lumbar disc prolapse. Gibson JN. Waddell G. Cochrane Database Syst Rev. 2007 Apr 18;(2)
  2. The probability of spontaneous regression of lumbar herniated disc: a systematic review. Chiu CC, Chuang TY2 et al.Clin Rehabil. 2014 Jul 9

Verengung des Spinalkanals – Spinalkanalstenose

Hier ist ein konservativer Therapieversuch über mindestens 3-6 Monate empfehlenswert. Bei vielen Patienten können die Beschwerden in diesem Zeitraum deutlich gebessert werden. Gelingt dies nicht, so ist ein Interspinaler Spacer (kleines Metallimplantat) oder eine operative Erweiterung des Spinalkanals eine mögliche richtige Entscheidung. Hintergrund:  Aktuelle Studien zeigen, dass Patienten, die 3 bis 6 Monate ohne ausreichenden Erfolg konservativ behandelt worden sind, von einer Operation profitieren. Dies betrifft die Schmerzstärke, die Einschränkung im täglichen Leben und die Lebensqualität. Der Vorteil der Operation ist bis zu 4 Jahre nachweisbar. Als erste operative Minimalmaßnahme ist in vielen Fällen ein sogenannter “Spacer” wirksam. Dies ist eine kleine Metallplatte, die zwischen die Dornfortsätz der Wirbelsäule geschoben wird. So kann ein größerer operativer Eingriff vermieden oder über einige Jahre hinausgeschoben werden.

  • Surgery versus conservative treatment for symptomatic lumbar spinal stenosis: a systematic review of randomized controlled trials. Kovacs FM, et al. Show all. Spine (Phila Pa 1976). 2011 Sep 15;36(20):E1335-51.
  • Interspinous spacer versus traditional decompressive surgery for lumbar spinal stenosis: a systematic review and meta-analysis. Wu AM, et al. PLoS One. 2014 May 8;9(5):

Meniskusschaden, Kreuzbandruptur und Arthroskopie?

Arthroskopie bei Meniskusschaden

Wenn ein bisher gesundes Knie plötzlich schmerzt und beim Bewegen mechanische Störungen tastbar oder fühlbar sind, dann ist das verdächtig auf einen Meniskusschaden. Ausgenommen sind hier entzündliche Geschehen. Entscheidend ist zuerst die Anamnese (Sprottrauma), der klinische Befund und dann eine Kernspintomographie. Eine arthroskopische Meniskusteilresektion oder Meniskusnaht kann erforderlich sein.

Ein Kniegelenk mit einer Arthrose (Gelenkverschleiß) zeigt im Kernspin fast immer auch einen Meniskusschaden. Hier ist die konservative Therapie die Therapie der Wahl. Häufig wird argumentiert, durch eine arthroskopische Glättung des Meniskus mit einer Auswaschung und Reinigung des Gelenkes (Debridement, Lavage) würde der Zustand des Kniegelenks verbessert. Dies ist nicht der Fall. Bei präathrotischen Kniegelenken zeigt eine große kontrollierte Studie nach 6 Monaten und einem Jahr statistisch keinen Unterschied zwischen konservativ behandelten Patienten und solchen, die eine arthroskopische Meniskusoperation bekamen.

Arthroskopische Operation bei Kreuzbandruptur

Bei einer Kreuzbandruptur wird immer eine arthroskopische Operation zu diskutieren sein. Entscheidende Faktoren sind hierbei vor allem das Alter, der Aktivitätsgrad – Sportler oder Nichtsportler – und der weitere Zustand des Kniegelenkes. Hier kann man nur im Einzelfall eine Empfehlung aussprechen. Zur Entscheidung hat man mindestens 3 Wochen Zeit. Ein Kreuzbandersatz mit einem künstlichen Gewebe (z.B. Dacron) hat sich nicht bewährt. Heute wird stattdessen eine körpereigene Sehne als Kreuzbandersatz gewählt. Weitere neuere arthroskopische Verfahren scheinen das Kreuzband mit einem dynamischen Faden. Das Kreuzband soll so – wie andere Sehnen des Körpers auch – nach einer Ruptur wieder regenerieren und komplett verheilen können. Erste Ergebnisse sind vielversprechend.

Achillessehnenruptur

Bei einem Anriss oder auch einer kompletten Achillessehnenruptur empfiehlt sich keine Operation. Die Achillessehne heilt ohne operataive Naht. Mehrere neue Studien zeigen, dass eine frühfunktionelle Behandlung mit einer dynamischen Schiene – Bracing – mindestens gleich gute Ergebnisse bringt, wie eine operative Naht, und dies bei deutlich geringeren Komplikationen. Die Rate erneuter Rupturen ist bei einer konsverativen Behandlung nicht erhöht.